Conny's Paddel
- Solo 2000
11.
Tag
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Am Ende der Innenstadt gelange ich zur Weerdse Sluis. Diese Schleuse wird komplett von Hand bedient - ein eindrucksvoller Anblick. Da sonst noch keiner unterwegs ist, werde ich alleine geschleust. Allerdings muss ich zum ersten Mal dafür bezahlen.
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Karte 3
Hinter der Schleuse beginnt die
Vecht, die sich noch eine ganze Weile durch die Vororte von Utrecht schlängelt. Hier erwischt mich
auch der erste Regenschauer. Als ich mich umblicke, sehe ich hinter mir über der Innenstadt eine
schwarze Wolkenwand stehen. Das verspricht nichts Gutes.
Den ganzen Tag verfolgt mich diese
Gewitterfront mit Donnergrollen und Blitzen, die mich allerdings nie erreicht. Später höre ich, dass
Utrecht und andere Landesteile an diesem Morgen durch Gewitterregen regelrecht überflutet wurden. Wäre
ich eine Stunde später gestartet, hätte es mich voll erwischt.
Es ist das Wochenende, an dem auch zu Hause
in Hockenheim mehrere Formel-1-Gäste von Blitzschlägen verletzt wurden.
Die Vecht ist ein Fluss mit stehendem Wasser,
der sich kurvenreich durch eine schöne Landschaft windet. Hier sind auch wieder viele Yachten
unterwegs.
Die Gärten am Ufer sind mit farbenfroher Blütenpracht
reichlich geschmückt. Die Häuser - auch die größeren Landsitze - sind von der typisch holländischen,
zierlichen Architektur. Ein wahrer Augenschmaus - Urlaub für die Seele.
In Maarssen entdecke ich ein Restaurant am
Ufer. Wegen einer hohen Kaimauer paddele ich einige hundert Meter zurück und steige aus - wieder
einmal voll in die Brennnesseln. Aber dagegen bin ich offenbar inzwischen immun - und außerdem will
ich endlich mein Frühstück.
Am Restaurant angekommen, finde ich es
geschlossen. Um den Hunger vergessen zu machen, gibt´s einen kleinen Wolkenbruch, den ich unter
einem Baum abwarte. Dann geht´s also durch die Nesseln hungrig zurück ins Boot - und
weitergepaddelt.
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Die Oude Gracht in Utrecht
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Der Utrechter Dom vom Wasser aus
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In der Weerdse Sluis
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Auf der Vecht
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Maarssen an der Vecht
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Die Vecht im Regen
Karte 4
Die nächste Überraschung folgt
auf dem Fuße:
Die Kraaienestersluis (Krähennest-Schleuse)
ist, wie ein daran hängendes Schild informiert, zeitweise außer Betrieb. Hier wollte ich
eigentlich abbiegen, um auf die Loosdrechtse Plassen zu gelangen. Also fahre ich einige
Kilometer weiter und benutze eine Selbstbedienungs-Schleuse hinter Breukelen. Nach etwa zwei
Kilometer auf einem Natur-Kanal erreiche ich die Loosdrechtse Plassen, eine Seen-Platte, die
in Holland als Segel-Dorado gilt. Der Name ist übrigens ganz lustig, denn er heißt übersetzt Loosdrechter
Pfützen. Wenn man in Holland pinkeln muss, dann macht man ein plasje, ein Pfützchen.
Daher kommt der Name dieser Wasserflächen.
Nach kurzer Orientierung peile ich den
entferntesten Winkel an; dort sollen laut Wasserkarte im Ort Oud-Loosdrecht zwei Campingplätze
sein.
Die Fahrt über den großen, offenen See mit
starker Wellenbildung ist recht anstrengend. Das Gewitter ist mir noch immer auf den Fersen, und
wenn es mich einholt, möchte ich lieber nicht auf dem See sein. Zudem wollen mich dauernd einige
der hier in Massen auftretenden Segelboote überfahren. Die gucken immer ganz verwundert, wenn sie
mich dann mitten im See doch noch bemerken. Ich gebe zu, dies ist kein typisches Kanu-Revier.
Karte 5
Endlich auf der anderen Seite
angekommen, fahre ich das ganze Ufer ab. Doch so viele Segler ich auch frage: hier scheint es keinen
Campingplatz zu geben. Das scheint zur Gewohnheit zu werden. Etwa an dieser Stelle überkommt mich
das Gefühl, dass ich für die nächste Zeit genug gepaddelt habe.
Doch es hilft nichts, ich muss weiter -
irgendwo muss ich ja mein Zelt aufbauen. Also nehme ich ein Stück der nächsten Tagesetappe vorweg
und fahre noch bis nach Mijnden. Im Kanal benutze ich ein vorbeifahrendes Motorboot als
Tempomacher, um nicht vor Unlust immer langsamer zu werden. Die Richtungsänderung bewirkt
immerhin, dass ich dem Gewitter wieder einmal davonfahre.
Fast zwei Kilometer kann ich das Tempo
halten. Dann erreiche ich einen größeren Yachthafen, dem auch der Campingplatz angeschlossen ist.
Es dauert fast eine Stunde, bis ich meinen Platz angewiesen bekomme. Vom Platzwart erfahre ich, dass
Oud-Loosdrecht gerade von einem heftigen Gewitterregen überflutet worden ist. Vielleicht war es
doch eine glückliche Fügung, dass ich dort nicht landen konnte. Hier
erlebe ich einen sonnigen und trockenen Abend, obwohl ich nur 5 Kilometer entfernt bin. Wie immer fühle
ich mich nach Zeltbau und Dusche wieder wohler. Gegen 18.00 Uhr sitze ich in dem für die
Yacht-Reisenden gedachten erstklassigen Restaurant und hole mit einem reichhaltigen und teuren Mahl
mein verpasstes Frühstück nach.
Am nächsten Tag besuche ich meine 89-jährige
Tante in einem der Nachbardörfer und verbringe den Sonntag mit ihr. Gemeinsam erinnern wir uns an
meine Jugend, die ich zu großen Teilen in ihrem Hause verbrachte.
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Oud-Loosdrecht: Auf der Suche nach dem
Campingplatz am Rande des Sees
Bild 39 1
Auf den Loosdrechtse Plassen
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