Conny's Paddel
- Solo 2000
4. Tag
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Am Morgen habe ich wieder Glück und kann mein Zelt trocken einpacken. Kaum bin ich aber - es ist kurz vor 10.00 Uhr - wieder auf dem Wasser, setzt ein stundenlanger Dauer-Regen ein. Eigentlich wollte ich es heute etwas ruhiger angehen lassen und unterwegs einmal auf einen Kaffee aussteigen, aber bei dem Wetter bleibe ich doch lieber wieder in meinem Boot.
Bild 11 1
Abfahrt von St.
Goarshausen
An den Ufern ziehen die Burgen
und Klöster vorbei, auch im Regen bleibt die Landschaft wunderschön. Ich lasse Boppard hinter mir,
wenig später Spay, wo wir vor zwei Jahren in einem schönen Stehcafe rasteten. Doch die durch das
Hochwasser ungünstigen Ausstiegsmöglichkeiten und das feuchte Wetter animieren mich nicht zum
Aussteigen.
In Koblenz muss ich mich zum letzten Mal
durch eine ganze Menge Passagierschiffe quälen. Wind und reger Schiffsverkehr sorgen hier noch
einmal für eine recht sportliche Note. Ein Schiff der Wasserschutzpolizei bleibt eine Weile neben
mir und beobachtet mich. Offenbar kommt man zu dem Ergebnis, dass ich
alleine auf mich aufpassen kann, denn schließlich dreht das Boot ab, ohne dass ich angesprochen
werde.
Bild 12 1
Die Marksburg bei Braubach (einzige völlig
erhaltene Burg am Rhein)
Da meine Vorräte sehr dezimiert
sind und ich nicht weiß, ob ich am heutigen Übernachtungsort einen Laden finde, muss ich doch noch
mal aus dem Boot. Inzwischen habe ich an diesem Tag schon wieder 50 Kilometer hinter mir, und ich
will für heute bald Schluss machen.
In einem Vorort von Neuwied kommt man an
einer ehemaligen Fähr-Anlegestelle einigermaßen aus dem Wasser. Beim Aussteigen belagert mich ein
Trupp kleiner Kinder, die mir aufgeregt irgendetwas von einer Bombe erzählen. Mir ist aufgefallen,
dass etwa einen Kilometer stromabwärts hinter der Brücke mehrere Arbeitspontons sowie zwei
Polizeiboote mitten im Rhein liegen.
Erst einmal beiße ich noch am Ufer herzhaft
in meine mitgebrachten Butterbrote; so wieder zu Kräften gekommen, gehe ich im wieder stärker
werdenden Regen in den Ort. Trotz meines nicht gerade adretten Äußeren setze ich mich in ein Cafe
und gönne mir einen heißen Kaffee und ein Stück Kuchen. Die Bedienung ist natürlich neugierig,
was das für ein seltsamer Kauz ist, der da als einziger Gast bei ihr sitzt. Als sie erfährt, dass
ich allein mit einem Paddelboot auf dem Rhein unterwegs bin, schüttelt sie sich vor Grausen.
Von der jungen Dame erfahre, dass im Rhein
direkt vor Neuwied eine alte Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden wurde. Nachdem am
Vortag der Versuch scheiterte, die Bombe im Wasser zu entschärfen, soll sie heute gehoben werden.
Dazu werden gerade etwa 3.000 Menschen evakuiert.
Welche Freude: Das fehlt mir gerade noch, dass
direkt vor meiner Nase der Rhein gesperrt wird und ich stundenlang oder eventuell sogar über Nacht
in diesem Kaff ohne Campingplatz sitze. Also vergesse ich das Einkaufen und laufe schnell zurück
zum Boot.
In einer Garage an der Uferstraße stehen
einige Polizisten, die wohl den Einsatz koordinieren. Auf meine entsprechende Frage holt einer der
Beamten über Funk die Genehmigung ein, dass ich noch schnell an der Bomben-Fundstelle vorbeifahren
kann.
Ich springe ins Boot und lege den
Renn-Gang ein. Während ich an der Fundstelle vorbeipaddele, bekomme ich schon eine leichte Gänsehaut.
Wenn das Ding jetzt hochginge, könnte ich ordentlich Wellenreiten. Aber ich muss dann doch aus
eigener Kraft weiterkommen.
Wenig später sehe ich vor mir einen
Zweier-Canadier. Nachdem ich aufgeschlossen habe, lerne ich Kerstin und Jens aus Celle kennen. Das Pärchen
ist zum ersten Mal auf dem Rhein unterwegs. Die beiden haben in Speyer eingesetzt und wollen bis
Wesel oder Emmerich.
Da wir uns ganz gut verstehen, passe ich mich
dem Tempo der beiden an und fahre mit ihnen gemeinsam noch gemütlich weiter bis Unkel. Gegen 18.00
Uhr treffen wir dort am Bootshaus des Kanuclubs ein und werden wie immer sehr freundlich
aufgenommen.
Nach den üblichen Verrichtungen - Zelt
aufbauen, Betten bauen, Klamotten trocknen, kleine Reparaturen ausführen - machen wir uns landfein
und gehen in den Ort. Ich habe zwar schon oft hier übernachtet, bin aber bisher nie vom Gelände
des Kanuclubs heruntergekommen. Überrascht stelle ich fest, dass Unkel einen wunderschönen
Ortskern mit putzigen, alten Häusern hat. In einem Hotel-Restaurant, das überwiegend von Drücker-Kolonnen
belegt ist, gönnen wir uns ein köstliches Festmahl. Der Kellner ist ein richtig rheinisches
Original, sodass wir viel zu Lachen haben.
Als das Lokal gegen 23.00 Uhr schließt,
setzen wir uns bei Tee mit Rum noch ins Bootshaus und tauschen bis nachts um halb drei
Kanuten-Erlebnisse aus. Ich kann den beiden Cellern auch noch einige Tipps für die weitere Fahrt
geben.
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