Conny's Paddel - Solo 2000

4. Tag   

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4. Tag:   19.07.2000

St. Goar - Unkel                                      78 km

 

Am Morgen habe ich wieder Glück und kann mein Zelt trocken einpacken. Kaum bin ich aber - es ist kurz vor 10.00 Uhr - wieder auf dem Wasser, setzt ein stundenlanger Dauer-Regen ein. Eigentlich wollte ich es heute etwas ruhiger angehen lassen und unterwegs einmal auf einen Kaffee aussteigen, aber bei dem Wetter bleibe ich doch lieber wieder in meinem Boot.

 

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Abfahrt von St. Goarshausen

 

An den Ufern ziehen die Burgen und Klöster vorbei, auch im Regen bleibt die Landschaft wunderschön. Ich lasse Boppard hinter mir, wenig später Spay, wo wir vor zwei Jahren in einem schönen Stehcafe rasteten. Doch die durch das Hochwasser ungünstigen Ausstiegsmöglichkeiten und das feuchte Wetter animieren mich nicht zum Aussteigen.

 

In Koblenz muss ich mich zum letzten Mal durch eine ganze Menge Passagierschiffe quälen. Wind und reger Schiffsverkehr sorgen hier noch einmal für eine recht sportliche Note. Ein Schiff der Wasserschutzpolizei bleibt eine Weile neben mir und beobachtet mich. Offenbar kommt man zu dem Ergebnis, dass ich alleine auf mich aufpassen kann, denn schließlich dreht das Boot ab, ohne dass ich angesprochen werde.

 

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Die Marksburg bei Braubach (einzige völlig erhaltene Burg am Rhein)

 

Da meine Vorräte sehr dezimiert sind und ich nicht weiß, ob ich am heutigen Übernachtungsort einen Laden finde, muss ich doch noch mal aus dem Boot. Inzwischen habe ich an diesem Tag schon wieder 50 Kilometer hinter mir, und ich will für heute bald Schluss machen.

 

In einem Vorort von Neuwied kommt man an einer ehemaligen Fähr-Anlegestelle einigermaßen aus dem Wasser. Beim Aussteigen belagert mich ein Trupp kleiner Kinder, die mir aufgeregt irgendetwas von einer Bombe erzählen. Mir ist aufgefallen, dass etwa einen Kilometer stromabwärts hinter der Brücke mehrere Arbeitspontons sowie zwei Polizeiboote mitten im Rhein liegen.

 

Erst einmal beiße ich noch am Ufer herzhaft in meine mitgebrachten Butterbrote; so wieder zu Kräften gekommen, gehe ich im wieder stärker werdenden Regen in den Ort. Trotz meines nicht gerade adretten Äußeren setze ich mich in ein Cafe und gönne mir einen heißen Kaffee und ein Stück Kuchen. Die Bedienung ist natürlich neugierig, was das für ein seltsamer Kauz ist, der da als einziger Gast bei ihr sitzt. Als sie erfährt, dass ich allein mit einem Paddelboot auf dem Rhein unterwegs bin, schüttelt sie sich vor Grausen.

Von der jungen Dame erfahre, dass im Rhein direkt vor Neuwied eine alte Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden wurde. Nachdem am Vortag der Versuch scheiterte, die Bombe im Wasser zu entschärfen, soll sie heute gehoben werden. Dazu werden gerade etwa 3.000 Menschen evakuiert.

 

Welche Freude: Das fehlt mir gerade noch, dass direkt vor meiner Nase der Rhein gesperrt wird und ich stundenlang oder eventuell sogar über Nacht in diesem Kaff ohne Campingplatz sitze. Also vergesse ich das Einkaufen und laufe schnell zurück zum Boot.

In einer Garage an der Uferstraße stehen einige Polizisten, die wohl den Einsatz koordinieren. Auf meine entsprechende Frage holt einer der Beamten über Funk die Genehmigung ein, dass ich noch schnell an der Bomben-Fundstelle vorbeifahren kann.

 

Ich springe ins Boot und lege den Renn-Gang ein. Während ich an der Fundstelle vorbeipaddele, bekomme ich schon eine leichte Gänsehaut. Wenn das Ding jetzt hochginge, könnte ich ordentlich Wellenreiten. Aber ich muss dann doch aus eigener Kraft weiterkommen.

 

Wenig später sehe ich vor mir einen Zweier-Canadier. Nachdem ich aufgeschlossen habe, lerne ich Kerstin und Jens aus Celle kennen. Das Pärchen ist zum ersten Mal auf dem Rhein unterwegs. Die beiden haben in Speyer eingesetzt und wollen bis Wesel oder Emmerich.

Da wir uns ganz gut verstehen, passe ich mich dem Tempo der beiden an und fahre mit ihnen gemeinsam noch gemütlich weiter bis Unkel. Gegen 18.00 Uhr treffen wir dort am Bootshaus des Kanuclubs ein und werden wie immer sehr freundlich aufgenommen.

 

Nach den üblichen Verrichtungen - Zelt aufbauen, Betten bauen, Klamotten trocknen, kleine Reparaturen ausführen - machen wir uns landfein und gehen in den Ort. Ich habe zwar schon oft hier übernachtet, bin aber bisher nie vom Gelände des Kanuclubs heruntergekommen. Überrascht stelle ich fest, dass Unkel einen wunderschönen Ortskern mit putzigen, alten Häusern hat. In einem Hotel-Restaurant, das überwiegend von Drücker-Kolonnen belegt ist, gönnen wir uns ein köstliches Festmahl. Der Kellner ist ein richtig rheinisches Original, sodass wir viel zu Lachen haben.

Als das Lokal gegen 23.00 Uhr schließt, setzen wir uns bei Tee mit Rum noch ins Bootshaus und tauschen bis nachts um halb drei Kanuten-Erlebnisse aus. Ich kann den beiden Cellern auch noch einige Tipps für die weitere Fahrt geben.

 

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