Conny's Paddel
- Solo 2000
3. Tag
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Auf der Geraden vor Eltville macht mir - wie fast immer an dieser Stelle - der Gegenwind zu schaffen.
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Gegenwind auf der Geraden
vor Eltville
Ich ziehe an Erbach, Hattenheim, Oestrich-Winkel und Geisenheim vorbei. In Rüdesheim muss ich aufpassen, dass mich die dort in Massen auftretenden Passagierdampfer nicht überfahren. Dass die Schiffe in Zeiten modernen Funkverkehrs ihre Bewegungen nicht mehr mit Hornsignalen ankündigen, fällt mir nicht nur hier sehr negativ auf. Wir Paddler erkennen nun unter Umständen erst sehr spät, wenn ein Schiff die Richtung ändert oder an- und ablegen will.
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So unspektakulär sieht Rüdesheim
von der Wasserseite her aus
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Vorbeifahrt am
Naturschutzgebiet Lorcher Werth (links)
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Anfahrt auf die Kauber
Pfalz
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Zwischen den 7
Jungfrauen und der Loreley
Bei Bingen beginnt die sogenannte
Bergstrecke. Ab hier zwängt sich der Rhein durch ein enges Tal, bis er sich bei der Loreley
auf 130 m verengt - die engste Stelle des ganzen Flusses. Durch die Verengung wird die Strömung stärker,
gleichzeitig gibt es hier diverse Untiefen, die der Schifffahrt zusätzlich gefährlich werden können.
Hinter Bingen passiere ich die Mündung der
Nahe. Hier, im Clausgrund, gerate ich in heftiges Wasser. Der rege Schiffsverkehr und der kräftige
Wind verstärken noch die Effekte der rasanten Strömung, auch das Hochwasser wirkt noch mal als
Multiplikator. Gern würde ich jetzt ein eindrucksvolles Foto schießen, aber ich behalte die Hände
doch lieber am Paddel.
Während der folgenden fünf Kilometer
bekomme ich zumindest eine Ahnung, wozu Schwimmwesten gut sein können. Aber ich halte mich an meine
Gewohnheit, aufrecht in meinem Boot sitzend meinen Weg fortzusetzen. Selbst wenn ich wollte: hier
gibt es keine Möglichkeit, eine Pause einzulegen oder an Land zu gehen. Die Strömung ist zu stark
und die Ufer zu steil. Also: Augen auf und durch.
Nachdem ich den Clausgrund durchfahren habe,
wird das Wasser wieder etwas ruhiger. Auf der linken Seite lasse ich den Campingplatz
Trechtingshausen hinter mir, auf dem wir vor zwei Wochen auf unserer Tour nach Boppard lagerten. Ich
will heute in Bacharach übernachten. Der dortige Campingplatz, so war mir vor zwei Wochen
aufgefallen, bietet mit einem breiten Sandstrand eine schöne Gelegenheit zum Aussteigen. Da ich
seit dem Start am Morgen nicht aus dem Boot gekommen bin, habe ich auch langsam genug für diesen
Tag.
Das Hochwasser macht mir jedoch einen Strich
durch die Rechnung: vom Sandstrand ist nichts mehr zu sehen. An dem jetzt dort aufragenden steilen
Steinufer versuche ich lieber nicht zu landen, dabei könnte ich mir mehr als nur nasse Füße
holen.
Ein kurzer Blick in den Flussführer (eine
Kopie habe ich vor mir auf dem Oberdeck) zeigt mir, dass der nächste Campingplatz sieben Kilometer
weiter vor Oberwesel liegt. Vorher muss ich noch an der Kauber Pfalz vorbei. Im hier gelegenen
Wilden Gefähr erlebt man oft raues Wasser, heute jedoch komme ich ohne Probleme durch.
Doch auch in Oberwesel liegt der im Flussführer
angepriesene Kiesstrand unter Wasser, ein Aussteigen ist wieder kaum möglich. Ich muss also, obwohl
ich ziemlich erschöpft bin, heute noch durch die Loreley, die eigentlich erst für den nächsten
Tag geplant war.
Wie empfohlen fahre ich ganz am rechten Ufer,
der dichte Schiffsverkehr ließe an dieser engen Stelle auch gar nichts anderes zu. Ich komme zu den
7 Jungfrauen - auch Hungersteine genannt; das ist eine Felsengruppe mitten im Rhein, die
von den Schiffen seitlich umfahren werden muss (viele Schiffe nehmen für diese Strecke auch heute
noch einen Lotsen an Bord). In der letzten Kurve vor der Loreley geht´s nochmals heftig zur Sache,
aber ich habe alles im Griff.
Direkt hinter der Loreley befindet sich die
Bank. Hier bauen sich bei Schiffsverkehr - also jetzt - starke Wellen auf, sodass ich wieder
ganz rechts fahren muss. Ich halte gerade soviel Abstand vom Ufer, dass ich nicht ins Kehrwasser
gerate. Als ich um die Loreley in die Bank einbiege, kommt von dort ein Boot der Wasserschutzpolizei
mit ziemlich hoher Geschwindigkeit auf mich zu gefahren. Ein Beamter turnt an der Reling herum und
gibt mir durch aufgeregte Zeichen zu verstehen, dass ich am rechten Rand fahren soll.
Ja, Freunde! Das war sicher gut gemeint, aber
leider kontraproduktiv. Wenn ich bis hierher keine Schwierigkeiten hatte, Eure Bugwellen haben mir
an dieser Stelle richtig Freude gemacht. Spätestens hier war ich ordentlich nass!
Kurz hinter St. Goar lenke ich meinen
Frachter in St. Goarshausen ans Ufer. Der Platzwart des dortigen Campingplatzes wird zwar im
Flussführer als äußerst paddler-feindlich bezeichnet, ich bin aber bisher immer gut mit ihm
klargekommen.
Für heute reicht es mir nun wirklich: Es ist
zwar erst 15.30 Uhr, aber ich sitze seit 6 Stunden und 60 Kilometern ununterbrochen im Boot, hatte
zeitweise ordentlich zu kämpfen. Insbesondere auf dem letzten Stück zwischen Rüdesheim und St.
Goar herrschte reger Verkehr. Zu den vielen Frachtern kam noch eine Unmenge von Fähren und
Passagierschiffen, die für ordentlich Bewegung sorgten. Ich bin zwar erschöpft, aber es war eine
tolle Fahrt an diesem Tag!!
verregneten Urlaub grämen. Ich
ziehe mein Boot auf den Strand, packe meinen Hocker aus und setze mich auf eine Zigarette zu ihnen.
Nach einer netten Unterhaltung baue ich mein Zelt auf und genieße die Dusche.
Am Abend spaziere ich in den Ort, um etwas zu
essen. Zu meinem Erstaunen ist St. Goar - ein reiner Touristenort mit unzähligen Restaurants, wie
ausgestorben. Die Wirtin meines Restaurants erzählt mir, dass in diesem Jahr die Touristen aus
unbekannten Gründen ausbleiben - vielleicht liegt es am Regen. Das muss für diese arme Region ein
schwerer Schlag sein. Denn wenn man einmal hinter die Fassaden der Restaurants und Souveniershops
schaut, guckt einen die Armut aus jeder Fensterhöhle an. Außer der schönen Lage am Rhein gibt es
hier wohl wenig Erfreuliches.
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