Conny's Paddel - Solo 2000

3. Tag   

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3. Tag:   18.07.2000

Mainz- St. Goar                                       60 km

 

Nach dem „Faulenzer-Tag“ drängt es mich richtiggehend wieder ins Boot. Wieder habe ich trotz des eher mäßigen Wetters das Glück, im Trockenen abbauen zu können. Während des Frühstücks leistet mir ein älterer Herr Gesellschaft, der mir aus alten Faltboot-Zeiten erzählt. Er ist offenbar entsetzt, dass ich allein - und dann auch noch ohne Schwimmweste - den Rhein befahre, weil er das für zu gefährlich hält. Auch mein Hinweis, dass ich doch paddeln und nicht schwimmen wolle, scheint ihn nicht zu beruhigen. Er malt mir die auf mich zukommenden Gefahren insbesondere in der Bergstrecke aus und zählt mir alle Paddler auf, die hier in den letzten 40 Jahren gekentert und teilweise auch ertrunken sind. Wäre ich diese Strecke nicht schon ein paar Mal gefahren, könnte ich richtig Angst bekommen.

 

Um 9.30 Uhr lasse ich mein Boot zu Wasser. Der Wind ist so kalt, dass ich schnell meine Regenjacke über das T-Shirt ziehe. Die Strecke der nächsten Stunden ist anstrengend, aber weitgehend ereignislos. Ich passiere Wiesbaden und das Naturschutzgebiet Rettbergsaue.

Auf der Geraden vor Eltville macht mir - wie fast immer an dieser Stelle - der Gegenwind zu schaffen.

 

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Gegenwind auf der Geraden vor Eltville

 

Rückblickend betrachtet ist Eltville die letzte Gelegenheit für einen Landgang; dazu ist es mir aber noch zu früh. Später am Tag finde ich wegen des Hochwassers keine geschickte Stelle mehr zum Aussteigen.

 

Ich ziehe an Erbach, Hattenheim, Oestrich-Winkel und Geisenheim vorbei. In Rüdesheim muss ich aufpassen, dass mich die dort in Massen auftretenden Passagierdampfer nicht überfahren. Dass die Schiffe in Zeiten modernen Funkverkehrs ihre Bewegungen nicht mehr mit Hornsignalen ankündigen, fällt mir nicht nur hier sehr negativ auf. Wir Paddler erkennen nun unter Umständen erst sehr spät, wenn ein Schiff die Richtung ändert oder an- und ablegen will.

 

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So unspektakulär sieht Rüdesheim von der Wasserseite her aus

 

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Vorbeifahrt am Naturschutzgebiet „Lorcher Werth“ (links)

 

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Anfahrt auf die Kauber Pfalz

 

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Zwischen den „7 Jungfrauen“ und der Loreley

 

Bei Bingen beginnt die sogenannte „Bergstrecke“. Ab hier zwängt sich der Rhein durch ein enges Tal, bis er sich bei der Loreley auf 130 m verengt - die engste Stelle des ganzen Flusses. Durch die Verengung wird die Strömung stärker, gleichzeitig gibt es hier diverse Untiefen, die der Schifffahrt zusätzlich gefährlich werden können.

 

Hinter Bingen passiere ich die Mündung der Nahe. Hier, im „Clausgrund“, gerate ich in heftiges Wasser. Der rege Schiffsverkehr und der kräftige Wind verstärken noch die Effekte der rasanten Strömung, auch das Hochwasser wirkt noch mal als Multiplikator. Gern würde ich jetzt ein eindrucksvolles Foto schießen, aber ich behalte die Hände doch lieber am Paddel.

Während der folgenden fünf Kilometer bekomme ich zumindest eine Ahnung, wozu Schwimmwesten gut sein können. Aber ich halte mich an meine Gewohnheit, aufrecht in meinem Boot sitzend meinen Weg fortzusetzen. Selbst wenn ich wollte: hier gibt es keine Möglichkeit, eine Pause einzulegen oder an Land zu gehen. Die Strömung ist zu stark und die Ufer zu steil. Also: Augen auf und durch.

 

Nachdem ich den Clausgrund durchfahren habe, wird das Wasser wieder etwas ruhiger. Auf der linken Seite lasse ich den Campingplatz Trechtingshausen hinter mir, auf dem wir vor zwei Wochen auf unserer Tour nach Boppard lagerten. Ich will heute in Bacharach übernachten. Der dortige Campingplatz, so war mir vor zwei Wochen aufgefallen, bietet mit einem breiten Sandstrand eine schöne Gelegenheit zum Aussteigen. Da ich seit dem Start am Morgen nicht aus dem Boot gekommen bin, habe ich auch langsam genug für diesen Tag.

 

Das Hochwasser macht mir jedoch einen Strich durch die Rechnung: vom Sandstrand ist nichts mehr zu sehen. An dem jetzt dort aufragenden steilen Steinufer versuche ich lieber nicht zu landen, dabei könnte ich mir mehr als nur nasse Füße holen.

 

Ein kurzer Blick in den Flussführer (eine Kopie habe ich vor mir auf dem Oberdeck) zeigt mir, dass der nächste Campingplatz sieben Kilometer weiter vor Oberwesel liegt. Vorher muss ich noch an der Kauber Pfalz vorbei. Im hier gelegenen „Wilden Gefähr“ erlebt man oft raues Wasser, heute jedoch komme ich ohne Probleme durch.

 

Doch auch in Oberwesel liegt der im Flussführer angepriesene Kiesstrand unter Wasser, ein Aussteigen ist wieder kaum möglich. Ich muss also, obwohl ich ziemlich erschöpft bin, heute noch durch die Loreley, die eigentlich erst für den nächsten Tag geplant war.

 

Wie empfohlen fahre ich ganz am rechten Ufer, der dichte Schiffsverkehr ließe an dieser engen Stelle auch gar nichts anderes zu. Ich komme zu den „7 Jungfrauen“ - auch „Hungersteine“ genannt; das ist eine Felsengruppe mitten im Rhein, die von den Schiffen seitlich umfahren werden muss (viele Schiffe nehmen für diese Strecke auch heute noch einen Lotsen an Bord). In der letzten Kurve vor der Loreley geht´s nochmals heftig zur Sache, aber ich habe alles im Griff.

 

Direkt hinter der Loreley befindet sich die „Bank“. Hier bauen sich bei Schiffsverkehr - also jetzt - starke Wellen auf, sodass ich wieder ganz rechts fahren muss. Ich halte gerade soviel Abstand vom Ufer, dass ich nicht ins Kehrwasser gerate. Als ich um die Loreley in die Bank einbiege, kommt von dort ein Boot der Wasserschutzpolizei mit ziemlich hoher Geschwindigkeit auf mich zu gefahren. Ein Beamter turnt an der Reling herum und gibt mir durch aufgeregte Zeichen zu verstehen, dass ich am rechten Rand fahren soll.

 

Ja, Freunde! Das war sicher gut gemeint, aber leider kontraproduktiv. Wenn ich bis hierher keine Schwierigkeiten hatte, Eure Bugwellen haben mir an dieser Stelle richtig Freude gemacht. Spätestens hier war ich ordentlich nass!

 

Kurz hinter St. Goar lenke ich meinen „Frachter“ in St. Goarshausen ans Ufer. Der Platzwart des dortigen Campingplatzes wird zwar im Flussführer als äußerst paddler-feindlich bezeichnet, ich bin aber bisher immer gut mit ihm klargekommen.

 

Für heute reicht es mir nun wirklich: Es ist zwar erst 15.30 Uhr, aber ich sitze seit 6 Stunden und 60 Kilometern ununterbrochen im Boot, hatte zeitweise ordentlich zu kämpfen. Insbesondere auf dem letzten Stück zwischen Rüdesheim und St. Goar herrschte reger Verkehr. Zu den vielen Frachtern kam noch eine Unmenge von Fähren und Passagierschiffen, die für ordentlich Bewegung sorgten. Ich bin zwar erschöpft, aber es war eine tolle Fahrt an diesem Tag!!

 

verregneten Urlaub grämen. Ich ziehe mein Boot auf den Strand, packe meinen Hocker aus und setze mich auf eine Zigarette zu ihnen. Nach einer netten Unterhaltung baue ich mein Zelt auf und genieße die Dusche.

 

Am Abend spaziere ich in den Ort, um etwas zu essen. Zu meinem Erstaunen ist St. Goar - ein reiner Touristenort mit unzähligen Restaurants, wie ausgestorben. Die Wirtin meines Restaurants erzählt mir, dass in diesem Jahr die Touristen aus unbekannten Gründen ausbleiben - vielleicht liegt es am Regen. Das muss für diese arme Region ein schwerer Schlag sein. Denn wenn man einmal hinter die Fassaden der Restaurants und Souveniershops schaut, guckt einen die Armut aus jeder Fensterhöhle an. Außer der schönen Lage am Rhein gibt es hier wohl wenig Erfreuliches.

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